Seinesgleichen geschieht

Projekt Bedeutungshubern: ein Punktesieg für Josef Pröll

Der Kommentar des Chefredakteurs


Armin Thurnher
Falter & Meinung | aus FALTER 43/09 vom 21.10.2009

Letzte Woche im Finanzministerium. Josef Pröll tritt ans Rednerpult und stellt sich damit in die lange Reihe jener Redner, als deren erster einst Alois Mock im Belvedere mit seiner „Rede an die Nation“ auftrat. Meist – bis auf die Schüsseljahre – waren diese Reden an die Nation Versuche, aus der Position des Vizekanzlers Profil zu gewinnen, den Machtanspruch zu stellen, Bedeutung zu simulieren, zu sagen: Seht her, ich bin der bessere Kanzler. Belohnt wurden diese Versuche mit langen Jahren weiterer Vizekanzlerschaft.

Gerade weil es mit Ausnahme von sechs Jahren nicht der Kanzler war, der sprach, sondern die Nummer zwei, hatte sich bei der ÖVP dabei eine Art Behauptungsästhetik des Machtanspruchs herausgebildet, die, geschult an der Optik amerikanischer Conventions, oft ans Lächerliche grenzte und mit der Darbietung des Spitzenmannes merkwürdig kontrastierte. Man schob das Staatsinteresse vor und trieb unverschämt Parteipolitik.

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