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Politik | aus FALTER 43/09 vom 21.10.2009

Wieso ist Ihnen soziale Wärme lieber als „Woarme“, Herr Kern?

Die jüngsten Ausgaben von Presse, Heute und Österreich sorgten bei den Lesern, abhängig von politischer Gesinnung, für Verwirrung, Freude oder Empörung. Österreichs Partei für Recht, Würde und Tugend (RWT) warb in einem Inserat für „Soziale Wärme statt Woarme!“ – „Nein zur Homoehe“. Was als Parteienwerbung getarnt ist, soll den neuen Film von Peter Kern bewerben. „Blutsfreundschaft“ wird im Rahmen der Viennale gezeigt.

Herr Kern, wieso ist Ihnen soziale Wärme lieber als „Woarme“?

Sehen Sie, eine ähnliche Frage stelle ich mir auch immer, wenn ich FPÖ-Plakate sehe: Wie gibt es das, dass so ein leerer Geist wie Strache so eine Wirkung auf das Publikum haben kann? Und wieso ist der lieber „daham“, als dass er den „Islam“ hat? Unser Inserat ist nichts anderes als die Kunstform und die Überprüfung eines faschistischen Vorgangs in Österreich. Eine reale Situation wird hier reflektiert.

Würde die Partei, für die in den Inseraten geworben wird, auch gewählt?

Ich denke schon. Viele Menschen haben geglaubt, dass hier die Werbung einer neuen Partei vor ihnen liegt. Die Homepage, die auch angegeben wurde, ist sehr oft abgerufen worden. Dass das nicht nur Gegner, sondern auch Sympathisanten solcher Parolen sind, liegt auf der Hand. Ich hoffe auch, dass die Homosexuellenbewegung aufwacht, die in diesem Land seit jeher unterdrückt wird. Jetzt regen sie sich das erste Mal auf. Ich wünschte mir, sie hätten sich auch über die FPÖ oder die Christen-Partei so aufgeregt.

Wussten die Medien Bescheid, und ist noch mehr Guerilla-Marketing geplant?

Sie wussten Bescheid, und ja, weitere Sujets folgen. Interessant war allerdings, dass sich die Gewista geweigert hat, die Plakate mit rechtem Inhalt aufzunehmen. Die FPÖ darf das zwar, weil es sich um eine Partei handelt. Wir durften das aber nicht. Das Volk muss sich hier also der Partei unterordnen und nicht umgekehrt.

Interview: Martin Gantner


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