Forumtheaterfestival: Wie Theatermacher in den nächsten zwei Wochen die Welt verbessern wollen

Steiermark | aus FALTER 43/09 vom 21.10.2009

Vorbericht: Thomas Wolkinger

Zwanzig Jahre ist es her, dass im Suhrkamp-Verlag Augusto Boals Überlegungen zum „Theater der Unterdrückten“ erschienen. Michael Wrentschur, der sich zu dieser Zeit gerade mit Fragen der Theaterpädagogik und mit Brecht befasste, hat „das gelbe Büchl“ damals genau studiert. Bis heute faszinieren ihn die Ideen des Brasilianers, der das Theater durch Methoden wie das „Forumtheater“ oder „unsichtbares Theater“ als Mittel der Selbstermächtigung und der Demokratisierung neu erfinden wollte.

Klar also, dass das von Wrentschur initiierte „WeltForumTheaterFestival“, das diese Woche in ganz Österreich startet und dann für eine Woche in Graz kulminieren wird, dem Andenken Boals gewidmet ist, der im Frühjahr 78-jährig gestorben ist. Und zur Eröffnung in Graz ist mit dem Bildertheater „Coisas do Genêro“ auch eine Produktion des lange Jahre von Boal geleiteten Centro de Teatro do Oprimido aus Rio de Janeiro zu sehen, das erstmals in Europa zu Gast sein wird. Die Festivalidee entstand vor mehr als zwei Jahren, erzählt Wrentschur, der seit 1999 den Verein interact als soziokulturelle Theaterwerkstatt betreibt und vergangenes Jahr mit dem Projekt „Kein Kies zum Kurven Kratzen“ gar den steirischen Landtag bespielte, um nach Auswegen aus der „neuen Armut“ zu suchen. Mit den theatralisch entwickelten Lösungsvorschlägen befasste sich danach ein eigener Unterausschuss des Landtags. „Kein Kies“ wird am Festival ebenso zu sehen sein wie Forumtheater-Produktionen aus 22 Ländern – die britischen Cardboard Citizens etwa oder Jana Sanskriti aus Kalkutta –, dazu gibt’s Vorträge, Diskussionen und Workshops.

WeltForumTheaterFestival, 21.10.1.11., www.weltforumtheaterfestival.at


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