Heidi List

Nocke, amtl.

Sexkolumne. Aufklärung für Zeitgenossen

Kolumnen | aus FALTER 43/09 vom 21.10.2009

Was Sie nie über Sex wissen wollten: Heidi List antwortet, bevor Sie fragen

Das Kinderzimmer geht auf die Straße hinaus. Dort verbringe ich im Moment meine Nächte. Ich möchte nicht darüber diskutieren, warum. Und während ich also beim Einschlafen versuche, die nervige „Guten Abend, gut’ Nacht“-Melodie aus meinem Kopf zu bringen, die ich vorher zwei Stunden lang habe summen müssen, höre ich schon wieder dieses Geeier von der Straße. In letzter Zeit parkt ein Auto immer vor dem Fenster und hat laut türkische Schmachtfetzen im Dauerloop spielen. Den Bass spürt man körperlich bis rauf in unsere Wohnung. Ich hab nichts gegen ausländische Folklore, aber noch weniger gegen Schlaf.

„Aayaaaaa … ntsntsnts“. Irgendwann dann hat’s mir gereicht. Ich lief hinunter, klopfte ans angelaufene Fenster und unterbrach die zwei Liebenden bei dem, was sie grade taten, ernsthaft mit dem Satz: „Geh bitte, kauft’s euch a Wohnung!“ Hab ich gesagt. Genau den Satz. Jetzt bin ich deprimiert. Ich weiß, man altert. Und dass man da als fade Nocken endet, die anderen Leuten den Spaß versaut, war abzusehen.

Aber dass das sogar vor meinem 40er passiert, ist ein Skandal.


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