Fragen Sie Frau Andrea

Towntown: taffe Typen, tolle Termini

Kolumnen | aus FALTER 43/09 vom 21.10.2009

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

zurückkommend aus New York City (NYC) ist mir in Wien folgendes Straßenschild aufgefallen: „TownTown“ Da es in NYC immer entweder nach „downtown“ oder nach „uptown“ geht, also entweder nach Süden oder nach Norden, und es in dieser Stadt kein „towntown“ gibt, frage ich Sie: Woher stammt daher in Wien die Bezeichnung „towntown“?

Cheers, Alfred Weintoegl, per Mail

Lieber Alfred,

wie Sie sehr richtig expliziert haben, kennen wir den angloamerikanischen Ausdruck Downtown aus New York City, genauer genommen von der Insel Manhattan, in der Sprache der Algonkin-Indianer „hügeliges Land“ genannt. Im Einklang mit der Tatsache, dass die Längsachse des New Yorker Stadteilands fast genau nordsüdlich ausgerichtet ist und damit auf einer Karte unten liegt, wird das Gebiet südlich der 14. Straße Downtown genannt, die Viertel nördlich der 59. Straße Uptown. Für alles dazwischen hat sich Midtown etabliert.

Downtown genannte Stadtzentren haben auch andere US-amerikanische Städte, selbst wenn sie nicht nach Süden gerichtete Inseln sind. Der Begriff bezeichnet nach dem Vorbild des Financial District das wirtschaftliche und meist auch geografische Zentrum einer Stadt. Für das Zentrum von Wien hat sich seit dem Mittelalter der schlichte Ausdruck „Stadt“ etabliert. Obwohl die meisten Radialstraßen bergab in die Stadt führen, und Unterstadt für alles innerhalb des Rings nicht ganz falsch wäre, hat sich bisher niemand getraut, den ersten Bezirk Downtown zu nennen.

Die von Ihnen auf einem Straßenschild gefundene Gemination „towntown“ bezeichnet ein neuerrichtetes Geschäftsviertel im Erdbergermais, einer einst von einer Donauschlinge umflossenen Waldinsel im dritten Bezirk. Sehr wahrscheinlich haben sich die Textdichter des so bezeichneten Immobilienprojekts neben dem postmodern anmutenden Schriftbild mit innenliegendem Großbuchstaben vom Klang verführen lassen, der ja doch sehr deutliche Ähnlichkeiten mit der Businesseichel Manhattans bietet. Anglizismen führen in Österreich stets zu unfreiwillig komischen Ergebnissen. Die vielen Wellness-Spas, Business-Towers und Shopping-Clusters geben hiervon radebrechend Zeugnis. Von all den Junctions, Terminals und Hubs ganz zu schweigen.


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