Kritiken

Überdosis Ödipus: Ibsen in der Josefstadt

Lexikon | Martin Lhotzky | aus FALTER 44/09 vom 28.10.2009

Man kann es auch übertreiben. Henrik Ibsen war Naturalist, nicht Hyperrealist. Wenn im Stück ein Waisenhaus lichterloh brennt, muss doch nicht gleich das ganze Theater eingenebelt werden. Es reicht ja schon, dass Witwe Helene Alving ?Gespenster? sieht, wenn ihr Sohn Osvald mit dem Dienstmädchen anbandelt, die eigentlich die uneheliche Tochter ihres Gatten, Osvalds Vater, ist. Das nur zart von Ibsen angedeutete ödipale Verhältnis zwischen Frau Mama und Sohn wird in der Inszenierung von Janusz Kica am Theater in der Josefstadt zum Dreh- und Angelpunkt dieses Familiendramas. Den zweiten Pol bildet der ständig sinnlos rotierende Wintergarten ? das Haus ist offenbar sehr stolz auf seine Drehbühne. Andrea Jonasson (Helene), Florian Teichtmeister (Osvald) und Joachim Bißmeier (Pastor Manders) dehnen das bürgerliche Trauerspiel auf fast drei Stunden aus ? eindeutig zu lang.

Theater in der Josefstadt, Mi 19.30


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