Kritik

Komödie im Konjunktiv: ?Ich? als stumme Rolle

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 44/09 vom 28.10.2009

Da schau her: Im Schauspielhaus, wo es zuletzt meist wie bei Peter Brook (?Der leere Raum?) aussah, gibt es jetzt auch Bühnenbild. Es stammt von Aurel Lenfert und stellt eine Mischung aus Quizstudio, Kraftwerk-Schaltzentrale und Enterprise-Kommandobrücke dar (und ist das nicht eine Spock-Perücke, die Steffen Höld da auf dem Kopf hat?). Dieses Bühnenbild sagt: Das ist ein witziger Abend. ?worst case? von Kathrin Röggla, uraufgeführt 2008, ist ein Katastrophenstück im Konjunktiv. Es sprechen TV-Konsumenten, eine moderne Kassandra oder eine hysterische Mutter im Elternbeirat, und sie sprechen fast ausschließlich im Konjunktiv. Erstens, weil die Katastrophen, von denen da die Rede ist, gar nicht wirklich stattfinden; und zweitens, weil es eigentlich eine Person (?ich?) ist, die sich da ?über die Bande? artikuliert. Obwohl es ununterbrochen quasselt, ist dieses ?Ich? (Bettina Kerl) eine stumme Rolle; es sind die anderen, die für sie die ? indirekte ? Rede führen. Eine komplizierte, aber auch ziemlich raffinierte Kontruktion, die der Schweizer Regisseur Lukas Bangerter recht straight über die Bühne bringt. Das Ergebnis fällt dennoch zwiespältig aus: ein witziger Abend ? in der Möglichkeitsform.

Schauspielhaus, Fr, Sa 20.00


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