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Der hybride Zustand unserer Welt

Lexikon | Manisha Jothady | aus FALTER 44/09 vom 28.10.2009

Wie viele von Jeff Walls Arbeiten könnte auch ?Overpass? das Standbild eines Films sein. Unter einem dramatischen Gewitterhimmel überqueren vier Personen eine Brücke. Ob es sich bei den anonymen Reisenden um Touristen oder Migranten handelt, bleibt unbestimmt. Der kanadische Künstler zeigt keine Individuen sondern Typen, die für bestimmte soziale Phänomene stehen.

Walls Fotografie ist in der Ausstellung ?Zwischenzonen? zu sehen. Die Schau mit Beständen aus der Sammlung des mexikanischen Fruchtsaftkonzerns Jumex spürt in vier Kapiteln den Schnittstellen zwischen ?Natur und Zivilisation?, ?Zentrum und Peripherie?, ?Identität und Gesellschaft?, ?Politik und Ökonomie? nach.

Santiago Sierra etwa reproduziert die Ausbeutung der globalisierten Wirtschaft, indem er Junkies einen Trip bezahlt, damit sie sich eine Linie über ihren Rücken tätowieren lassen. Das Duo Fischli & Weiss zeigt die Gleichförmigkeit internationaler Flughäfen. Gardar Eide Einarsson beschäftigt sich mit Subkulturen am Rande der Legalität. Umweltzerstörung ist das Thema im Werk von Mark Dion und Rirkrit Tiravanija bespielt als Künstler-Koch sämtliche Ausstellungen rund um den Globus.

Insgesamt 19 Positionen formulieren auf unterschiedlichste Weise den paradoxen Zustand unserer Welt. Einer Welt, die gekennzeichnet ist von mitunter höchst widersprüchlichen Verquickungen.

Schade nur, dass ein so spannendes und auch ergiebiges Thema nur eine Etage des Museums füllt. Selbst auf die Gefahr hin, dass die Auswahl bei einer anderen Größenordnung ein wenig ins Beliebige hätte kippen können, hätte man doch zu gerne die Zonen des Prekären näher abgeschritten.

Mumok, bis 7.3.


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