Tipp

Wanderungen durch das Niemandsland

Lexikon | aus FALTER 44/09 vom 28.10.2009

Wäre das Label ?Walking Artist? nicht schon an den britischen Konzeptkünstler Hamish Fulton vergeben, müsste man es Michael Höpfner zugestehen. Seine Kunst generiert sich seit Mitte der 90er aus dem Durchwandern entlegener Gegenden.

Die 43 Schwarzweißfotografien, die er nun neben einem Skizzenbuch und einer Zeltkonstruktion aus schwarzen Fäden zeigt, entstanden während einer Reise in einen der unwirtlichsten Lebensräume der Erde: dem über 5000 Meter gelegenen Hochplateau Changtang in Westtibet. In dieser Region, in der die Entwicklungsmaßnahmen der chinesischen Kulturrevolution hoffnungslos fehlschlugen, hat Höpfner 2007 sein Zelt aufgeschlagen und während eines ganzen Tages abgelichtet. Die Bilder von dieser provisorischen Behausung inmitten einer von Hochgebirgen umgebenen, kargen Landschaft vermitteln keine romantische Vorstellung vom Leben abseits der Zivilisation. Einsamkeit, Trostlosigkeit und Verlorenheit sind die Gefühle, die sich bei der Betrachtung regen.

Durch das förmliche Ergehen der Landschaft verlangsame sich die Wahrnehmung von Raum und Zeit, der Fokus verschiebe sich auf das Detail, hieß es einmal in Bezug auf Höpfners Arbeit. So scheint auch in dieser Schau die Zeit stillzustehen. MJ

Galerie Hubert Winter, bis 12.11.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige