TheaterKritik

Brenner auf der Bühne: das Leben ? ein Heimspiel

Steiermark | Teresa Falk | aus FALTER 44/09 vom 28.10.2009

Ehe man der Marke Wolf Haas überdrüssig werden könnte, legt das Schauspielhaus nach mit einer von Pia Hierzegger überzeugend adaptierten Fassung von ?Das ewige Leben?. Und macht die Romanvorlage schnell vergessen. Hierzegger fügt dem O-Ton ihre ganz eigene Sprache hinzu, dem Ensemble gelingt unter Christine Eders Regie ein kongeniales Kaleidoskop der Stimmen und Themen. Der Erzähler (unfehlbar: Dominik Warta) etwa mag sich erst gar nicht einmischen. Aber wenn Privatdetektiv Brenner nach einem Kopfschuss in der Nervenklinik erwacht, an einem Selbstmordversuch verzweifelt und mehr und mehr mit den kriminellen Lausbubenstreichen seiner Vergangenheit als junger Polizist konfrontiert wird, da kann er halt doch nicht anders. So wechselt sich das unvermeidliche Haas?sche Idiom ab mit ebenso lakonischen Kommentaren.

Das lustige Motto eines Bierherstellers, das Monika Rovans überzeugende Bühne dominiert, bröckelt irgendwann. Die heruntergekommene Arena aus Bauzäunen zu säubern gelingt denn auch den Regenschauern nicht, die, unvorhersehbar wie der Tod in diesem Spiel, niedergehen. Allenfalls wird der Boden einer, auf dem nicht auszugleiten den Protagonisten schwer fallen mag. Gegen diesen Niedergang schöner Grazer Verhältnisse kann auch der radikalste Sicherheitsdienst (ein Höhepunkt in erlesen speckiger Jogginghose: Thomas Frank) nichts ausrichten. Die eigentliche Bedeutung der Frauenfiguren ? so sie nicht den sentimentalen Brenner (ergreifend jämmerlich: Franz Solar) an längst verlorenen Elan erinnern müssen ?, offenbart sich im Roman erst im Finale. Das spiegelt sich wider im Spiel von Susanne Weber und Andrea Wenzl, deren Potenzial erst gegen Ende zu erahnen ist. Sebastian Reiß überzeugt dagegen durchgehend in sämtlichen Rollen, in die er rasant und gekonnt spielfreudig schlüpft.

Schauspielhaus Graz, Sa, Mi, Do 19.30 Uhr


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