Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 44/09 vom 28.10.2009

Im modernen Fußball, so habe ich mir von Leuten sagen lassen, die mehr davon verstehen als ich (was allerdings nicht sehr schwer ist), muss jeder alles, sprich: auf jeder Position spielen können. Bloß der Tormann kann meines Wissens nicht spontan durch einen Feldspieler ersetzt werden. Nachdem wir hier eine moderne Zeitung machen, agieren wir nicht nur auf dem Platz überaus flexibel (wurde der hochverdiente Sieg über profil eigentlich schon erwähnt?), sondern wechseln auch redaktionsintern und ressortübergreifend die Positionen. Christopher Wurmdobler brilliert dann als eleganter Flügelstürmer im Feuilleton und schreibt seine erste Kulturaufmachergeschichte, während Wolfgang Kralicek, ohnehin eine Art hausinterner Dauerleihgabe, für die Medien aufs Feld läuft. Als Dank dafür, dass das Feuilleton in einer feiertagsbedingt verkürzten Woche einen absoluten Top-Scorer abstellt, wird ihm dann auch noch eine Seite weggenommen: ?Damit wir die Mediengeschichte von eurem Kralicek schön aufmachen können?, wie Florian Klenk säuselnd erklärt. ?Wir haben überhaupt keinen Platz!?

Einen Tag später wurde der Umfang der Zeitung um acht Seiten erhöht. Alle davon werden dem Politikressort zugeschlagen. Auf dieses groteske Ungleichgewicht angesprochen, antwortet der Chefredakteur mit einem buddhistischen Lächeln und einer Handvoll Teekannensprüchen über Karma, Kairos und Kismet. In der Feng-Shui-Ecke gibt es noch immer keine Schnapsbar ? dabei würde diese jetzt dringender gebraucht als je zuvor! Das Feuilleton konvertiert geschlossen zum Raelismus.


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