Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 44/09 vom 28.10.2009

Frau Giokas, was ist das Wiener Kommunikationsquadrat?

Der Wiener Tourismusverband hat ab sofort und nach zwei Jahren Entwicklungsarbeit einen neuen Markenauftritt. Sehr schick, sehr modern. Erwartbare Sujets wie Sisi, Lipizzaner, das imperiale Tamtam oder Oper (aber auch die Enzis im Museumsquartier, moderne Architektur oder der Lainzer Tiergarten) werden in Inseraten und auf Plakaten aus unerwartet schräger Perspektive gezeigt. Überdeckt von einem weißen Quadrat mit frechem Text und neuem Slogan: ?Wien, jetzt oder nie.?

Die betreuende Agentur ist Jung von Matt/Donau; Helena Giokas betreut als Senior Texter das Projekt mit. Sie erklärt, was hinter dem neuen Auftritt steckt: ?,Wien erwartet Sie? lautete der alte Claim von Wien Tourismus. Wir müssen die Leute aber überzeugen, dass Wien genau jetzt ein spannendes Reiseziel ist, nicht irgendwann. Dass genau jetzt im Moment etwas los ist, was man auf keinen Fall verpassen darf?, sagt die Werberin. Über die zentrale weiße Fläche ? intern ?Wiener Kommunikationsquadrat? genannt ? tritt man mit den Leserinnen und Lesern quasi in Verbindung, beschreibt die einmalige Situation auf dem Foto und erklärt, was sie verpassen. ?In diesem Moment tanzen in Wien junge Männer Walzer?, steht da beispielsweise beim Hofreitschule-Sujet. ?Mit Pferden. Wollen Sie mittanzen?? Auf einem Sisi-Bild ist im Kommunikationsquadrat Folgendes zu lesen: ?In diesem Moment spürt jemand Sisis Geist in ihrem Schlafzimmer. In Ihrem Schlafzimmer geht das leider nicht.?

Die Texte sind also überraschend forsch formuliert. Sie kontrastieren die Ansichtskartenbildsprache; dem Auftraggeber gefällt es. ?Das zu texten, war natürlich ein großer Spaß?, sagt Helena Giokas. ?Diese Differenz passt sehr gut zu Wien, diese Widersprüche sind es doch, die unsere Stadt so lässig machen.?


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