Enthusiasmuskolumne

Diesmal: Das netteste Ungeheuer der Welt der Woche

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 44/09 vom 28.10.2009

Hohoho, es feiert auch der Grüffelo

Die wilden Kerle, genauer: die nicht ganz so wilden, in Wirklichkeit sogar eher ziemlich gemütlichen Kerle haben wieder Saison. Mittlerweile ist Spike Jonzes bereits 2005 begonnene Verfilmung von Maurice Sendaks Kinderbuch-Klassiker ?Where the Wild Things Are? (1963) abgedreht. Bis die wilden Kerle in die heimischen Kinos kommen, müssen wir uns allerdings noch bis Weihnachten gedulden und unsere Liebe zu gemütlichen Ungeheuern andernorts ausleben. Da trifft es sich gut, dass der Grüffelo heuer seinen zehnten Geburtstag begeht und von seinem deutschen Verlag Beltz & Gelberg mit entsprechendem Merchandising-Aufwand gefeiert wird, der vom Mal- und Pop-up-Buch über den Kalender für 2010 bis zum lebensgroßen Grüffelo-Kostüm reicht, das sich Buchhändler ausleihen können.

Das freundliche Ungeheuer mit den prononcierten Eckzähnen und den schwieligen Knien hat die Sause allemal verdient. Erfunden hat den Gruffalo (von ?gruff?, auf Deutsch: ?ruppig?) die britische Kinderbuchautorin Julia Donaldson. Genaugenommen hat Donaldson eine kleine Maus erfunden, die sich den grimmigen Grüffelo erfindet, um von ihren natürlichen Feinden unbehelligt zu bleiben ? der Grüffelo isst bekanntlich vorzugsweise Schlangenpürree, Fuchsspieß und Eule in Zuckerguss. Als der Grüffelo in der herbeifantasierten Gestalt tatsächlich erscheint, überzeugt ihn der gemeinsame Spaziergang durch den Wald angesichts der Reaktionen von Fuchs, Eule & Co schnell davon, dass die Maus (Lieblingsgericht: Grüffelogrütze) auch von ihm besser unverspeist bleibt.

Entscheidenden Anteil am Erfolg des Grüffelo hat der deutsche Illustrator Axel Scheffler, der dem Grüffelo konkrete Gestalt verliehen und soeben T.S. Eliots ?Old Possum?s Book of Practical Cats?, neu illustriert hat. Die Latte hat Edward Gorey zwar ziemlich hoch gelegt, aber Scheffler, der Meistermaler minimalistischer Augen (weißer Kreis, schwarzer Punkt), zeichnet längst in der Weltliga mit.


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