Dieser Regen macht nicht nur nass, sondern schwemmt auch einiges weg

Feuilleton | Michael Pekler | aus FALTER 44/09 vom 28.10.2009

Es braucht in diesem verregneten Film schon eine kleine Weile, bis die Beziehungen der Personen klar werden. Zwischendurch drängt sich gar der Vergleich mit einem kunstvoll montierten Reigen auf. Aber Drehbuchautorin Agnès Jaoui möchte ihre Figuren offensichtlich nicht aus den Augen verlieren ? und die Regisseurin Jaoui hält sich an diese Vorgabe.

In ?Parlez-moi de la pluie? werden die Menschen auf das zurückgeworfen, was sie früher waren und was sie noch heute bestimmt: Agathe (Jaoui), Feministin und erfolgreiche Buchautorin, kehrt in ihre südfranzösische Heimat zurück, um für eine Wahl zu kandidieren; ihre Schwester, mit Mann und Kindern gesegnet, hat von der eigenen Besonnenheit die Nase voll; und Michel (Jean-Pierre Bacri) und der algerischstämmige Karim (Jamel Debbouze), die einen Porträtfilm über Agathe drehen wollen, haben ihr eigentliches Ziel längst aus den Augen verloren.

Das Schöne an diesem Film ist, dass er unterschiedliche Lebensmodelle nicht vordergründig skizziert und aufeinanderprallen lässt, sondern diese immer wieder auf ihre Wertigkeit hinterfragt. Und auch der titelspendende Regen (nach einem Chanson von Georges Brassens) macht nicht nur nass, sondern gewinnt auch metaphorische Bedeutung: So wie ein Schauer manches wegschwemmt, so erzählt auch ?Parlez-moi de la pluie? von der Kraft, Beziehungen hinter sich und sich treiben zu lassen. Das dramaturgische Karussell findet dabei seine Entsprechung passenderweise in einem Schubert-Lied: ?Der Gondelfahrer? ist die Mehrstimmigkeit in Vollendung.

Ab 30.10. in den Kinos (OmU im Votiv)


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