Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 44/09 vom 28.10.2009

Schön, wenn Ihre Welt schwarzweiß ist

Wenn man mit dem Rad die Mariahilfer Straße hinaufradelt und dabei die für den Radverkehr vorgesehene Spur (Danke!) benutzt, kommt es vor, dass Menschen mit Auto genau diese Spur mitbenutzen, um im Stau zu stehen. Oder um darauf zu parken. Da ist sie wieder, die neue Deppertness. Ist blöd. Hält auf. Dann flucht man halt ein bisschen, klopft freundschaftlich aufs entsprechende Autodach und schlängelt sich durch. Andere steigen gleich ab vom Rad, schieben es (der Berg!) und verwickeln die Menschen hinterm Steuer im Stau in nervenaufreibende Fachdiskussionen. Wenn man derart schiebende und schimpfende Mitradlerinnen dann freundlich (wirklich!) auffordert, zum Schieben und Schimpfen doch bitteschön den Gehsteig zu benutzen, na dann darf man sich was anhören: Man sei ja schon wie ein Autofahrer! Die Welt stehe nicht mehr lang, wenn es unter Radlern keine Solidarität mehr gäbe! Mecker, mecker! Ist es eigentlich schön, in so einer Blase von Gut und Böse zu leben? In einem Vakuum, das so wunderbar schwarzweiß ist?


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