Fragen Sie Frau Andrea

Es Eingmochte einmagarieren

Kolumnen | aus FALTER 44/09 vom 28.10.2009

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

in einem beliebten Forum haben mehrere Leute am Rande von was ganz anderem über die Schreibung von ?einmagerieren? vs. ?einmagarieren? diskutiert.

Warum ?einmagarieren?, wie der Duden meint? Im Französischen scheint es fern mir zugänglicher Wörterbücher ?magarer? bzw. ?se magarer? zu geben, vor allem im Zusammenhang mit ungünstigen Beziehungsentwicklungen. Oder soll ich mir die ganze Diskussion am besten gleich einmag?rieren? Bitte helfen Sie! Mit bestem Kratzfuß,

Mirko Burijan

1150 Wien, per Elektronachricht

Lieber Mirko,

vor der Erörterung allfälliger Herkünfte wollen wir dem unwienerischen Publikum und den Sprechern ferner Idiome näherbringen, worum es sich bei unserem ?einmagriern? eigentlich handelt.

Wenn die Wienerin oder der Wiener zum Ausdruck bringen möchte, eine Sache oder eine Person befinde sich außerhalb des Fokusses ihres oder seines ganz persönlichen Interesses, wird gerne das Verbum ?eimagrían? zum Einsatz gebracht. Sätze können dann lauten: ?Loss di eimagrían? (Lass dich einmagerieren) oder: ?De gfeudn Wuaschdraadl kennan Sa se eimagrían? (Die fauligen Wurstschnitten können Sie sich einmagerieren). ?Kannste knicken? würde der Deutsche sagen, vergessend, dass wir Wiener akut Einzumagerierendes oft gar nicht knicken können, kommt der Ausdruck doch vom Vorgang des Einmarinierens, Einlegens, des luftdicht in Gläser oder Tiegel Abfüllens.

Seine Herkunft aus dem Französischen kann das ?Eimagrían? (das ?Einmagerieren?) nicht ganz verleugnen. Es kommt von mariner (= marinieren) und dieses wiederum von mariner (= in Salzwasser einlegen). Das ?g? hat sich das Wienerische zusammenhanglos aus der Margarine ausgeborgt.

Das Wort für die streichfähige Kunstbutter ist übrigens seinerseits eine Erfindung. Der Name beruht auf einer Entdeckung des Pariser Chemieprofessors Michel Eugène Chevreul, der 1819 bei Forschungen über Rinderfett weißglänzende Kristalle in seinem Reagenzglas gefunden hatte und diese dann nach dem griechischen Wort margaron (= Perle) benannte.


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