Kritiken

Das Jonestown-Massaker: So fad können Sekten sein

Lexikon | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 45/09 vom 04.11.2009

Beim Jonestown-Massaker am 18. November 1978 starben 918 Mitglieder des Peoples Temple, einer der einflussreichsten Sekten in den 70er-Jahren. Jim Jones hatte die Bewegung 1956 in den USA gegründet; nach kritischen Medienberichten zog er sich 1977 mit seinen Anhängern in den Dschungel von Guyana zurück. Die erklärten Ziele des Anführers - sozialer Friede, Gleichheit zwischen den Hautfarben - lockten viele Suchende in den Temple, die Realität - Ausbeutung, gegenseitige Überwachung - sah anders aus. In "Endstation Jonestown" zeichnen Nora Hertlein und Veronika Maurer im Burgtheater-Vestibül nach Originaldokumenten die Entwicklung der Gemeinde bis zum angewiesenen Massenselbstmord schlaglichtartig nach. Sie bemühen sich, dem Textmaterial Bühnenwirkung abzuringen, und verteilen es auf fünf Schauspieler, die außerdem singen, tanzen und Plastikbecher stapeln müssen. Leider bleibt die Erzählung statisch, und ab der Mitte wird es richtig zäh. Müde Augen im Publikum. Schlussapplaus, erlöse uns.

Burgtheater, Vestibül, Mo, Mi, Do 20.30


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