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Schöner wohnen oder Gemeindebau

Lexikon | Manisha Jothady | aus FALTER 45/09 vom 04.11.2009

Als Raum "ohne eindeutige Bestimmung" beschrieb Ernst Plischke das Wohnzimmer, das er 1928 für die Keramikkünstlerin Lucie Rie entwarf. "Will man schreiben, so wird der Sekretär an der Wand aufgeklappt, ist Besuch da, dann öffnet man die Likörnische und die Abstellfächer für Schalen und Zigaretten." Um die richtigen Proportionen des Sofas zu erhalten und die exakte Höhe der Schränke berechnen zu können, nahm der Architekt an der Beinlänge der Auftraggeberin Maß.

Plischkes Ensemble ist ein Schlüsselwerk der Wiener Wohnkultur der Zwischenkriegszeit und in der Ausstellung "Wohnen zwischen den Kriegen" zu sehen. Am Beispiel kompletter Einrichtungen und Garnituren zeigt sie die eigenwillige Ausprägung des Wiener Wohndesigns dieser Zeit, das sich gegenüber dem Bauhausstil vor allem durch Formenvielfalt, raffinierte Details und exklusives Handwerk auszeichnete.

Auch die Schicksale der Architekten und die Rolle der Auftraggeber vor dem Hintergrund der politischen Entwicklung dieser Jahre sind hervorragend dokumentiert. Darüber hinaus liefert die Schau Beispiele für das Wohnen im "Roten Wien".

Hofimmobiliendepot, bis 14.2.


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