Kritik

Der Tod in schicker Montur

Lexikon | aus FALTER 45/09 vom 04.11.2009

Sind provokante Motive tatsächlich die letzte Möglichkeit allseitiger Aufklärung? Das russische Künstlerkollektiv AES+F arbeitet jedenfalls seit seinen Anfängen in den 1990ern damit. Die Arbeiten bauen dabei oft auf plakativen Gegenüberstellungen auf. Im "Islamic Project" etwa versah die Gruppe Wahrzeichen aus aller Welt mit Minaretten. Die Serie "Action-Half-Life" stellte bewaffnete Kindermodells in das apokalyptische Setting einer Wüste. Vorurteile und die Abstumpfung durch die Massenmedien wollen AES+F in vielen ihrer Werke entlarven. Ihr Anliegen äußern sie in computergenerierten Bildern, deren Künstlichkeit dem Betrachter den schmalen Grat zwischen Trivialität und Provokation vor Augen führen.

Schönheit und Tod bilden nun das Gegensatzpaar der derzeit ausgestellten Fotoarbeiten. Sieben großformatige Leuchtkästen zeigen anonyme Tote in Haute Couture. Wie Zombies wirken sie und dadurch auf bemitleidenswerte Art entwürdigt. Die Stilisierung des Todes im Sinne einer Angstabwehrstrategie, wie sie hier beabsichtigt ist, geht allerdings nicht auf. Zu marginal ist letztendlich das Thema Mode, zu bewegend und zu eng mit ethischen Vorstellungen verknüpft das Thema Tod. MJ

Knoll Galerie, bis 14.11.


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