Mit Luxus und Glamour gegen Krankheit und Tod

Lexikon | Matthias Dusini | aus FALTER 45/09 vom 04.11.2009

Die Fotografin Annie Leibovitz im Kunsthaus Wien

Vor drei Jahren wurde im New Yorker Brooklyn Museum die Ausstellung „Annie Leibovitz – A Photographer’s Life 1990–2005“ gezeigt, die nun auch im Kunsthaus Wien Station macht. Es war eine unruhige Phase im Leben der amerikanischen Fotografin. Innerhalb kürzester Zeit starben ihre Lebensgefährtin Susan Sontag und ihr Vater, dann wurde sie Mutter von Zwillingen. Leibovitz nahm einige Fotos der geliebten Menschen in ihre 150 Bilder umfassende Werkschau auf, obwohl nicht der Tod, sondern die Unsterblichkeit ihr eigentliches Thema ist.

Leibovitz arbeitet als Fotografin für den Condé-Nast-Verlag, ihre Porträts erscheinen in den Magazinen Vogue und Vanity Fair. Ob Schauspieler, Politiker oder Rockstars – alle wirken so, als wären sie gerade auf eine Cocktailparty in einer Villa in Long Island unterwegs. Theatralische Lichtinszenierungen wie in barocken Heiligenbildern und das ironische Spiel mit Prominenz sind Leibovitz’ Markenzeichen. Eines ihrer berühmtesten Bilder präsentiert den Bodybuilder Arnold Schwarzenegger zigarrerauchend und auf einem Schimmel reitend. Die Fotografie „Nicole Kidman, New York“ (2003) ist ein für Leibovitz typisches Glamourbild: Die Schauspielerin in weitem Galakleid wird auf einer Bühne von Scheinwerfern angestrahlt.

Der Kleid und das Ambiente lassen an das Paris des 19. Jahrhunderts, auch an die pompösen Premierenfeiern Hollywoods denken. Schönheit und Reichtum werden als überzeitliche Konstanten fernab der Niederungen von Paparazzitum und Paris-Hilton-Trash zelebriert. In den Selbstporträts gibt sich die Fotografin als Angehörige der intellektuellen New Yorker Upper Class zu erkennen. Wo sonst geht man Kaffee trinken, wenn nicht ins Pariser Café de Flore. Die Ausstellung vermittelt auch Leibovitz’ Sehnsucht, nicht nur als Dienstleisterin ernst genommen zu werden. Aus der Vogue ausgeschnittene Fotos altern rasch.

Kunsthaus Wien, bis 31.1.


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