Ohren auf!

Sammelkritik

Lexikon | Klaus Nüchtern | aus FALTER 45/09 vom 04.11.2009

Ein halbes Jahrhundert nachdem der Komponist Gunther Schuller den auf die Synthese von Jazz mit zeitgenössischer E-Musik zielenden Begriff des Third Stream geprägt hat, verschreiben sich Mathias Rüegg und sein Vienna Art Orchestra nun einem „Third Dream“ und kehren damit nach knapp drei Jahrzehnten zu ihrem Debüt-Label Extraplatte zurück. Das 19-köpfige, in Jazzsolisten, Blech- und Holzbläser, Streicher sowie Rhythmusgruppe unterteilte Ensemble versteht sich, wie manche der Titel – „After Decades of Doubts“, „Adieux, Lost Century“, „Attaining Eternity“ – andeuten, offenbar als eine Art Projektgruppe des musikalischen Post-Histoire: In kulinarischen Arrangements, in denen vor allem das Rohrblatt (Harry Sokal, Joris Roelofs) und die Stimme (Corin Curschellas) die Soloparts übernehmen, läuft man ein in den sicheren Hafen, in dem sich die Stürme der Geschichte gelegt haben, alles lichte Klassik ist und Rüegg mit Gershwin und Weill entspannt im Hot-Whirlpool sitzt.


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