Kunst Kritik

Vom Selbstbewusstsein medialer Oberflächen

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 45/09 vom 04.11.2009

Das Künstlerpaar Horáková + Maurer hat schon viel zum Selbstverständnis fotografischer Vorgänge beigetragen, hat die medialen Nebengeräusche des Fotografischen weniger als notwendiges Beiwerk denn als Ausgangsmaterial subkutaner Forschungen verstanden und also dem Foto gewissermaßen erlaubt, sich im Bild selbst auszudrücken. Versehentlich sind ja einmal aus einem Entwicklungsgerät für maschinelle Fotoabzüge viele Meter Filmstreifen gequollen, haben sich in Wogen und Wellen zur Ruhe gebettet und derart, also schon für sich genommen, ein recht schönes Bild abgegeben. Nachgestellt wird dieses nun in der Serie „Photo Papers“ bzw. einer 50 m langen und 20 cm schmalen Fotopapierrolle, die, in große Schlaufen gelegt und mittels Großformatkamera aufgenommen, als plastisches oder grafisches Ereignis in Szene gesetzt wird. So auch in der von Werner Fenz kuratierten Ausstellung „Areas / Grids / Photo Papers“ im Grazer Künstlerhaus, das – von Übermalungen befreit – auch ein Stück weit zu sich selbst gekommen ist, und dessen fünf Meter Raumhöhe außerdem genutzt wird, um entsprechend lange Fotobahnen aufzuhängen, auf denen das im Photoshop als Stellvertreter des Leeren und Unfertigen gebrauchte Schachbrettmuster eine neuerliche Überarbeitung erfährt. In diesen „Grids“ spiegeln sich die weniger rechtwinkelig geschlossenen, dem Anschein nach weit subjektiver abgesteckten „Areale“, die vis-à-vis auf genau bemessene Leinwände aufgetragen sind und Liegenschaften bezeichnen, die im Rahmen der Beneš-Dekrete enteignet wurden. Hier endet dann aber bald die Scheinobjektivität des quasifotografischen Bildes.

Künstlerhaus, bis 6.12.


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