Meinesgleichen

Audimax: gute Note, schlechte Quote

Falter & Meinung | aus FALTER 45/09 vom 04.11.2009

Ein merkwürdiges Phänomen der digital beschleunigten Öffentlichkeit ist die Unausgewogenheit der Urteilsbildung. Die reflexartige Schnelligkeit des mit dem Daumen abgegebenen Kurzurteils kann die Qualität der Reflexion beeinträchtigen. Das war schon in der römischen Arena so, als der Daumen der Menge ebenfalls entscheiden durfte; zwar nur in Zirkusfragen, aber immerhin über Leben und Tod. Was hat die Art des Mediums, dessen sich einer bedient, mit der Qualität seiner Einsichten zu tun? Alles und nichts. Es kann ein Enzensberger an der mechanischen Schreibmaschine sitzen oder ein Gossenjournalist. Im einen Fall kommt federleichte, eleganteste Aufklärungsprosa heraus, im anderen Fall betrunkenes, blutsäuferisches Gegröle.

Unausgewogene Urteilsbildung: Diese Woche kam ich eher gut weg, als ich im Audimax vor den Besetzerinnen und Besetzern sprechen durfte. Durchaus angenehmes junges Publikum, höflich, bedacht auf Wirkung, entschlossen. FM-4-Moderator Martin Blumenau, der mich bei Mediendebatten gern in die „Holzklasse“ setzt, lobte mich dafür über den grünen Klee. Das war nett, aber ebenso übertrieben, wie seine Bemerkung falsch war, meine Rede hätte erst aufgrund der von mir „wegen seines Partizipationsansatzes diffamierten Ausspielwege“ stattgefunden. Erstens fand meine Rede auch ohne „Ausspielwege“ statt, ich bin Zeuge. Zweitens: bis dato 1735 Views. Drittens: Wo habe ich je den „Partizipationsansatz“ kritisiert? Wir sprechen uns noch!

Quellen:

Armin Thurnhers Audimax-Rede:

Blumenau:


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige