Kommentar

Hahn und Stoss oder der Proporz des kleinen Glücks

Glücksspiel

Falter & Meinung | Johann Skocek | aus FALTER 45/09 vom 04.11.2009

Der Herr über das Glücksspiellastermonopol, Casinos-Chef Karl Stoss, war kaum zum ÖOC-Präsidenten gekrönt worden, schon belohnte sein Unternehmen die Medien mit Inseraten. Zufall.

Stoss’ Botschaft: was für ein Glück das Spielglück für Österreich und den Sport sei. Tatsächlich schreibt das Glücksspielgesetz fest, dass drei Prozent vom Umsatz der Lotterien für Sportförderung zu verwenden seien. Weniger als 40 Millionen pro Jahr dürfen es nicht werden, eine Deckelung nach oben wurde abgeschafft. 2009 macht die Subvention rund 71 Millionen aus. Jedes Jahr wird es mehr. Zufall.

Die Wahl von Stoss verlängert das Glück der Glücksspieler, das sie 19 Jahre mit dem Ex-Casinos- und ÖOC-Boss Leo Wallner hatten. Die Lasterbürokraten schmücken sich mit dem Heiligenschein, den Hermann Maier, Mirna Jukic und die Rapid ausstrahlen. Zufall.

Stoss braucht die Sportler als Verbündete gegen die Privatisierung des Glücksspielsektors. Sportfunktionäre fürchten um Subventionen, wenn das Monopol aufgeweicht wird. Demnächst wird das neue Glücksspielgesetz beschlossen. Es zwingt fünf Bundesländer zur Aufstellung von (meist der Novomatic gehörenden) Zockerautomaten. Und es schreibt hohe Haftungs- und Rücklagevorgaben für alle vor. Die können sich nur die Casinos und die Novomatic leisten. Zufall.

Österreichs neuer EU-Kommissar Hahn saß jahrelang im Novomatic-Vorstand und zeitweise gleichzeitig in Wiens Gemeinderat. Die Tochter der Novomatic, Admiral Sportwetten, sponsert Rapid und die Wiener Stadtliga. Seit einiger Zeit sitzt Hahn in der Regierung. Die Automaten wuchern im Bundesgebiet. Reiner Zufall.


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