1989 Als der Osten Westen wurde

Nun sind wir wohl erwacht, für lange

Politik | aus FALTER 45/09 vom 04.11.2009

„Du schauen!“, sagte der Wirt und deutete auf den Fernseher. Wie ich über Budapest, das Burgenland und Wien aus der DDR flüchtete und rosagedirndelt den Mauerfall erlebte

Erinnerung: Ines Geipel

Maria Glöckl, Wirtin in Deutschkreutz an der österreichisch-ungarischen Grenze, schlägt das Gästebuch auf. „Hier, schauen Sie!“ 22. August 1989: „Endlich sind wir frei!“, 25. August 1989: „Erich – nein danke! Wir sind glücklich!“, 29. August 1989: „Andreas – ich warte auf Dich!“, 4. September 1989: „Nach mehrmaligen Anläufen endlich geschafft!“

Sie setzt die Brille auf, sucht nach kurzem Zögern erneut die Zeichen ab, als lese sie die Einträge zum ersten Mal. Fast beiläufig sagt sie: „Deutschkreutz war immer ein ungarisches Dorf, wo halt Deutsche leben.“ Ihre Hände fahren über dem Kopf zusammen. „Drüben sitzen die Ungarn, hier die Österreicher, nein, eigentlich wir Deutsche, quer durch lief immer die Grenze, der nächste Ort ist kroatisch, dazwischen

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