1989 Als der Osten Westen wurde

Wenn nichts mehr normal ist

Politik | aus FALTER 45/09 vom 04.11.2009

Als die Mauer fiel, begleitete unser Autor den deutschen Kanzler Helmut Kohl von Warschau nach Berlin. Protokoll einer historischen Dienstreise

Erinnerung: Werner A. Perger

November 1989: Bonner Dienstreise nach Polen. Ein pompöser Ausflug, fünf Tage sollte er dauern, große Delegation. In Osteuropa rumort es, die Bonner wollten Gelassenheit demonstrieren. Nur keine Panik, business as usual.

Dann, der Abend des 9. November. Während des ersten Staatsdiners in Warschau, die Nachricht aus Berlin: Die Mauer bröckelt, das Tor geht auf. Da wussten wir alle, nach anfänglichem Unglauben: Wir sind am falschen Ort.

Und nun? Pressekonferenz. Einer fragt den Kanzler, ob er den Besuch jetzt unterbrechen werde. Hinterher ist das nicht komisch, aber der Fragesteller löst eine Lachsalve aus. Kohl lacht nicht. Er ist mit den Gedanken längst in Berlin, an der Mauer. Bloß weg aus Warschau, ohne Porzellan zu zerschlagen.

Kohl und seine Leute dachten immer gern in „Gechichte“, wie der Pfälzer im Sound


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige