Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Bernhard Riedmann | aus FALTER 45/09 vom 04.11.2009

Was haben Arztserien mit der Realität zu tun, Herr Schulter?

Guten Tag. Derzeit sind keine Ärzte verfügbar.“ In Österreich undenkbar, in vielen Teilen der Welt grausame Wirklichkeit. Im Jahr 1971 gründete eine Gruppe junger Ärzte in Paris die Organisation Médecins Sans Frontières (MSF), auf Deutsch Ärzte ohne Grenzen. Heute sind es rund 400 Einsätze in über 60 Ländern der Welt, in denen die etwa 25.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Hilfe für Menschen in Not leisten. Brechen in einem Land die Gesundheitsstrukturen zusammen, wüten Kriege oder humanitäre Katastrophen, brechen die medizinischen Fachkräfte auf – seit 1994 auch aus Österreich.

Die Agentur Schulterwurf zeichnet für die aktuelle Werbekampagne der österreichischen Ärzte ohne Grenzen verantwortlich. Im Radio wird ein Notruf getätigt, man hört eine Tonbandansage: „Keine Ärzte verfügbar“. Im TV ist ein junger Mann in einem Kaffeehaus zu sehen. Sein Handy klingelt, er schwingt sich auf sein Motorrad, wenig später steht er im OP. Dann kommt ein harter Schnitt, man sieht ein krankes afrikanisches Kind – ohne Arzt. „Wir wollten die Gegensätze vor Augen führen“, erklärt Tino Schulter, der kreative Kopf hinter der Kampagne, „man rechnet mit einer Arztserie, aber die Schiebetür zum OP bricht mit dieser Realität.“ Dass sich die Organisation in dieser anderen Realität sinnvoll engagiert, soll auch die Printkampagne aufzeigen. Auf einer, wie Schulter meint, Klischee-Medikamentenpackung ist zu lesen: „Wirkt weltweit.“

Alle Beteiligten arbeiteten unentgeltlich an der Kampagne. Vom Regisseur bis zum Kabelträger. Die Mobilkom bezahlt die Schaltkosten, der ORF gewährt „Sozialtarife“ – die berühmten „Einschaltungen im öffentlichen Interesse“. „Die Herangehensweise ist gleich wie bei jedem Kunden“, meint Werber Schulter, „nur das Gefühl dabei ist schöner.“


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