„Ich habe die Spitzeldienste verweigert“

Feuilleton | aus FALTER 45/09 vom 04.11.2009

Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller über das Schweigen der Kriegsheimkehrer und Kollaborateure

Interview: Sigrid Löffler

Im Wintergarten des Berliner Literaturhauses in der Fasanenstraße fühlt Herta Müller sich wohl. Dort verabredet sie sich gern zum Gespräch mit Journalisten. Für die Medien ist in diesem Herbst die rumäniendeutsche Autorin aus Nitzkydorf im Banat, die vor 22 Jahren die Spitzeldiktatur Nicolae CeausÛescus verließ und gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann Richard Wagner nach Berlin umsiedelte, die begehrteste Interviewpartnerin der Literaturszene – wegen „Atemschaukel“, ihrem ersten Roman seit zwölf Jahren, und erst recht, seit ihr der Literaturnobelpreis 2009 zugesprochen wurde.

Der plötzliche Wirbel um ihre Person kann der souveränen Gelassenheit und stillen Selbstgewissheit Herta Müllers nichts anhaben: Sie gibt sich im Gespräch genauso wie immer – überlegt, ernst und aufrichtig. Der Nobelpreis bewirkt, dass manch kleinliche Kritik an ihrem


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