Wilder Honig

Feuilleton | aus FALTER 45/09 vom 04.11.2009

25 Jahre Miki Malör: wie aus einer Clownfrau eine der eigenwilligsten Künstlerinnen der Wiener Performanceszene wurde

Porträt: Wolfgang Kralicek

Eine Frau wird mit Honig übergossen, der langsam über ihren nackten Körper fließt. Danach steigt sie in einen Sack voller Haare, die wie ein Fell an ihr kleben bleiben. Anschließend wird die Frau von vier Männern mit Rasiermessern geschoren, in einen Pelzmantel gekleidet und mit an den Rücken gebundenen Armen auf einen Sessel gesetzt.

Das war der schönste Tag in Miki Malörs Künstlerleben. Man kann sagen, es war der Tag ihrer zweiten Geburt. Vor mehr als 13 Jahren, im Sommer 1996, zeigte Miki Malör bei einem Festival der Wiener freien Gruppen ihre 20-minütige Performance „Honig“. Die lustige Miki, die an der Hochschule Klavier studiert hatte und mit ihren clownesk-musikalischen Kleinkunstprogrammen vor allem in Deutschland ziemlich erfolgreich gewesen war, gab es ab sofort nicht mehr.

„Ich habe damals 80 Vorstellungen und mehr im


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