Ein Shakespeare voller Narren: die dekadente Tragödie „Lorenzaccio“ an der Burg

Feuilleton | aus FALTER 45/09 vom 04.11.2009

Theaterkritik: Wolfgang Kralicek

Alfred de Musset (1810–1857) hat es bei uns nicht in den Kanon geschafft. Auch sein bekanntestes Drama, „Lorenzaccio“ (1834), findet nur selten auf die Spielpläne. Im Burgtheater ist es nun wieder so weit, und siehe da: Das Stück ist eine Entdeckung.

Florenz, 1537: Der junge Alessandro de’ Medici ist ein brutaler, genusssüchtiger Fürst, vor dem keine Jungfrau sicher ist; sein Cousin Lorenzo, genannt Lorenzaccio, ist sein engster Vertrauter – und sein Mörder. De Musset stilisiert die Tat zum zynischen Akt eines unmoralischen Manns, der im Tyrannenmord mehr eine romantische Idee sieht als eine politisch relevante Handlung – ein besonders drastischer Fall von Politikverdrossenheit.

Stefan Bachmann hat ein Faible für französische Historiendramen, die andere Regisseure nur mit spitzen Fingern angreifen würden; unter anderem inszenierte er 2003 eine ungekürzte Aufführung von Paul Claudels Opus magnum „Der seidene Schuh“. Danach geriet er


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