Mit der Poesie einer Ohrfeige

Feuilleton | aus FALTER 45/09 vom 04.11.2009

Die Retrospektive des Werks von Nagisa Oshima könnte einem Rebell des japanischen Kinos zu neuer Wertschätzung verhelfen

Werkeinführung: Gerhard Midding

Im Hollywood, ja selbst im Frankreich oder England der späten 50er-Jahre wäre diese Karriere nicht möglich gewesen. Um dem Studio Shochiku aus einer tiefen ökonomischen Krise zu helfen, kam dessen Produktionschef Shiro Kido auf die Idee, ehemalige Assistenten zu Regisseuren zu befördern. Shochiku stand bis dahin für einen unpolitischen und weitgehend unverfänglichen Humanismus. Kido, wie Louis B. Mayer ein zur Sentimentalität neigender Tyrann, war jedoch fest davon überzeugt, dass nur junge, unverbrauchte Talente den dringend nötigen frischen Wind bringen würden.

Just eine Horde von Bilderstürmern ermächtigte er dazu, dem japanischen Kino eine neue Richtung zu geben. Dabei hätte er gewarnt sein können. Dem 26-jährigen Debütanten Nagisa Oshima eilte seit Studententagen der Ruf eines unberechenbaren Radikalen voraus. Gemeinsam


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