Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 45/09 vom 04.11.2009

Beschimpfungen im Wandel der Zeiten

Eine fast vergessene und sehr selten gebrauchte Beschimpfung aus dem oststeirischen Raum schallte gestern über den Jakominiplatz: Quittenficker! Es erschließt sich erst mal überhaupt nicht, was damit genau gemeint ist, wir wissen nur, dass die Quitte im Allgemeinen als relativ harte Frucht gilt.

Sie ist nur sehr selten essbar, ähnelt in Form und Geschmack der Birne und ist insgesamt ein Obst, dem die deutsche Sprache, Literatur und Kultur mehr zu verdanken haben, als man glauben könnte. Der Gedichtband „Die Wörtlichkeit der Quitte“ (M. Donhauser) entstand in Graz, und zwar bevor der Godfather of Kolumnisten, Max Goldt, das Genre der Quittenwitze ins Leben rief. Es besteht aus nur einem Witz, der abgrundtief schlecht ist und von einem Mann handelt, der hundert Kilo Quitten kauft und anschließend sagt: „Wo ist die Quittung?“

Wahrscheinlich ist ein Quittenficker ein weltfremder Depp, und weltfremd will in Zeiten wie diesen niemand sein. Am eifrigsten werden momentan Studenten als weltfremd bezeichnet, weil sie Forderungen erheben, die gar nicht gehen. „Jedem Student eine in die Zähnd“ ist wieder relativ beliebt, weil: Die sollen schließlich was arbeiten! Und das von Bankbeamten und Chefs von Studentencafés, die den ganzen Tag wichtig dasitzen und hin und wieder ein bisschen rechnen oder Bier holen gehen (fahren).

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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