Doris Knecht

Also wirklich, das bin doch nicht ich!

Selbstversuch

Kolumnen | aus FALTER 45/09 vom 04.11.2009

Leider sehe ich mich gezwungen, Folgendes zu verlautbaren: Ich bin nicht die „Journalistin“ in Dirk Stermanns „Bottle in a Message“-Text von vor zehn Tagen im Standard-Album. Ich bin niemand in Stermanns Text, ich komme Gottseilobunddank in dem Text überhaupt nicht vor, auch wenn ich sonst gerne in Texten vorkomme, in diesem: nicht.

Tatsächlich habe ich dem Stermann unmittelbar ein Mail geschickt: „Ha! Lustiger Text! Wurde in der Sekunde zur Temperenzlerin!“, nachdem ich seinen Anzengruber-Alkoholismus-Aufsatz gelesen hatte. Einen relativ brutalen Blick auf Stermanns unmittelbares Tschecheranten-Umfeld, der dieser Tage bei Czernin in dem Buch „Wir sind gekommen, um zu bleiben: Deutsche in Österreich“ erscheint. (Rubinowitz und Wurmdobler haben dafür übrigens auch feine Texte geschrieben.) Jedenfalls sitze ich ein paar Tage später anlässlich einer anderen Buchpräsentation mit der Herausgeberin des Werks, der ansonsten klugen und unbestechlichen Eva Steffen, im Jin’s, als sie mir über die Tafel hinweg zuruft, sie habe jetzt übrigens wiederholt das Gerücht gehört, ich sei die „Journalistin“ in Stermanns Text, stimme das denn.

Himmel, Heiliger, Kruzitürken, nein, das stimmt natürlich nicht! Allein dafür, dass du das fragst, müsste ich dich schon verklagen, Steffen! Die Journalistin in dem Text ist, wer ihn noch nicht gelesen hat, eine Post-40erin mit zerzausten Haaren, die im Anzengruber abwechselnd Rot- und Weißwein trinkt. Im Laufe der Geschichte tritt sie an Stermanns Tisch, um ihn zu fragen, ob er glaube, dass sie eine versoffene Funzen sei, verlässt dann mit einem „schmalbrüstigen Schauspielschüler an der Hand“ das Lokal und wird später von Stermann schlafend auf einer Parkbank aufgegriffen. Ganz langsam, zum Mitschreiben: Diese Frau hat mit mir nichts gemein als das ungefähre Alter und an schlechten Tagen die Frisur. Ich mische keine Weinsorten, ich bin so gut wie neverever im Anzengruber anzutreffen, ich schlafe nicht auf Parkbänken, ich schleppe keine Männer ab und ganz gewiss keine dünnen, und ich bin, soweit ich weiß, auch nicht die direkte Nachfahrin eines „ranghohen Sozialdemokraten aus dem Burgenland“, wie Stermann ausdrücklich schreibt.

Also ich glaube, das ist jetzt geklärt, Steffen. Meinen Ruf ruiniere ich mir nämlich, wenn’s recht ist, immer noch selber. Und ich bin in Wirklichkeit eine nette – ja: nett, in seinem ganzen, diffamierten Wortsinn –, dezente, diskrete, schüchterne und ziemlich langweilige Person.

Aber es war überhaupt eine ziemlich lausige Woche. Ich stritt mit Hans Hurch über die Bedeutung des Wortes „Gala“, kam nur einmal zum Schwimmen, verlor meinen Kalender, und als der Lange nach fünf Tagen Halligalli aus Istanbul zurückkam, legte er sich sofort drei Tage mit Husten ins Bett. Wenn’s diese Woche ein bissl lustiger wird, hätte ich im Prinzip nichts dagegen.


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