Kabarett Kritiken

Puntigam und die Krise: Theater der Grausamkeit

Lexikon | aus FALTER 46/09 vom 11.11.2009

Die Figur, die Martin Puntigam in seinem elften Soloprogramm „Atomic Wedgie“ darstellt, ist ein freundliches Scheusal. Der knapp 40-jährige Informatiklehrer in Bildungskarenz (erste Fortbildungsmaßnahme: ein Bordellbesuch, man lernt ja nie aus) hat reich geheiratet und gestaltet für den Schwiegervater (einen Waffenhändler) eine „Roadshow“, in denen er die Kundschaft auf die nächste, dann aber wirklich brutale Krise vorbereitet. Motto: „Be prepared now!“ Botschaft: Jeder ist sich selbst der Nächste. Seinem launigen Sermon entnehmen wir, dass der Mann über Leichen gehen würde. Die Konsequenz, mit der Puntigam seinen vollkommen amoralischen Helden zeichnet, ist beeindruckend. Aber deutlicher noch als im Vorgänger „Luziprack“, in dem er ein ähnliches Monster spielte, wird eine problematische Nebenwirkung sichtbar: Das Böse ist nur bedingt komisch. Wenn das so weitergeht, wird es in Martin Puntigams Theater der Grausamkeit bald gar nichts mehr zu lachen geben. WK

Kabarett Niedermair, Fr, Sa 19.00; Mi, Do 19.30


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige