Kritik

Träume von gestern, heute gelebt

Lexikon | aus FALTER 46/09 vom 11.11.2009

Der Künstler Matthias Klos protestiert: Parolen wie „Immer im Konflikt mit der Proportion“ und „Das Positive wirkt morgen“ stehen auf den Schildern, die er durch die Straßen trägt, ohne sich allerdings auf Gleichgesinnte stützen zu können. Kann es sein, dass ihn keiner versteht? Klos’ Pseudoprotestaktionen sind in der Ausstellung „Postalternativ“ zu sehen. Wie viele andere hier gezeigte Beiträge thematisieren auch sie die zur Attitüde erstarrten Formen einstiger Alternativbewegungen.

Iris Andraschek fotografiert Kommunenmitglieder in Kanada, Katrin Hornek dokumentiert das Leben in der Jurte und Hubert Lobnig, der auch als Kurator dieser Schau verantwortlich zeichnet, hat seine Häuslbauer-Installation einem Ehepaar gewidmet, das früher ohne Strom auf einer Hochebene lebte und nun einen heruntergekommenen Bauernhof renoviert.

Ökologiebewegung, Friedensbewegung, Frauenbewegung, Antiatomkraftbewegung, Hausbesetzungen, Kommunengründungen. Schlagworte, die sich mit den 70ern und 80ern verbinden, kommen einem beim Rundgang durch die Schau immer wieder in den Sinn. Windenergie ist zum Beispiel das Thema in Barbara Musils und Karo Szmits Film „La Mancha“. Oliver Ressler ermöglicht den Zugriff auf sein Videoarchiv, das eine ganze Reihe von alternativen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodellen vorstellt.

Der beste Beitrag stammt allerdings von Amel Andessner. Ihre Realityperformance ist ein Mix aus Hip-Hop- und Bollywoodkultur. Die Künstlerin versucht das Korsett weiblicher und männlicher Rollenbilder zu sprengen, unterstützt wird sie dabei von ihrem männlichen Alter Ego namens Mirko. MJ

Kunstraum Niederösterreich, bis 28.11.


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