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Wenn die Kunst das Gruseln lehrt

Lexikon | Manisha Jothady | aus FALTER 46/09 vom 11.11.2009

Ein apokalyptisch glühender Himmel über düsteren Gestalten. Starr sind die Blicke dieser lebendigen Toten, fahl ist die Farbe ihrer Haut. „Angst“ nennt Edvard Munch sein 1894 gemaltes Bild und meint damit die menschliche Grundbefindlichkeit im ausgehenden 19. Jahrhundert.

Mit über 200 Meisterwerken zeichnet die Ausstellung „Edvard Munch und das Unheimliche“ nun eine Chronik des Schauderns nach. Gespannt wird der Bogen vom späten 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Edvard Munch ist durch 37 Werke gegenwärtig.

Giovanni Battista Piranesis Kupferstiche führen in labyrinthische Folterkammern. Wie kein anderer seiner Zeitgenossen verstand allerdings Francisco de Goya Albträume darzustellen. James Ensor, Alfred Kubin und Max Klinger traten Jahre später in die Fußstapfen dieses Meisters. Vor allem Ensor gilt heute neben Munch als einer der bedeutendsten Künstler der nordischen Moderne. Seine Werke sind bevölkert von maskierten Menschenhorden und verzerrten Physiognomien.

Von den Schauergeschichten eines Edgar Allan Poe und E.T.A. Hoffmann zeigten sich die Maler des ausgehenden 19. Jahrhunderts ebenso fasziniert wie von Sagen und Märchen. Karl Wilhelm Diefenbach schuf ein aus den Wogen steigendes „Meeresgespenst“, Theodor Kittelsen malte einen „Waldtroll“. Das Okkulte beschäftigte Künstler wie Albert von Keller, Gabriel von Max und Odilon Redon.

Zu den spektakulärsten Exponaten zählt Angelo Morbellis „Erstickt!“ (1884), wenngleich sich das Grauen darin nicht auf den ersten Blick erschließt. Der darauf abgebildete gedeckte Tisch konnte als Stillleben verkauft werden, nicht aber das tote Liebespaar am rechten Bildrand. So schnitt man das Gemälde einfach entzwei.

Leopold Museum, bis 18.1.


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