Festival 2

Von wahren Geschichten und gefährlichen Gefühlen

Lexikon | Michael Omasta | aus FALTER 46/09 vom 11.11.2009

Die ersten Jüdischen Filmtage in Wien fanden 1991 statt. In den Jahren seither hat sich die Veranstaltung zur Jüdischen Filmwoche ausgewachsen und zählt, ihrer chronischen Budgetnot zum Trotz, längst zu den Höhepunkten im spätherbstlichen Festivalkalender der Stadt. Umso bedauerlicher, dass sich das Jüdische Filmfestival 2009 in „Zeiten der Krise“ gezwungen sieht, so die Veranstalter, seine „Bemühungen lediglich auf ein paar Tage zu konzentrieren“ und deutliche Abstriche beim Programm zu machen.

So beispielsweise taugt der Eröffnungsfilm, „Berlin 36“ von Kaspar Heidelbach, nur sehr bedingt als Ersatz für die historischen Wiederentdeckungen vergangener Jahre. Erzählt wird die wahre Geschichte der jüdischen Hochspringerin Gretel Bergmann, die auf Druck der Nazis ins deutsche Team zurückkehrt, jedoch wieder mit allen Mitteln hinausgemobbt wird, als die Vereinigten Staaten ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen zusagen. Das eigentliche Interesse dieses Films indes gilt weder Sport noch Politik, sondern der Beziehung von Gretel (Karoline Herfurth) und Marie Ketteler; zwischen den Konkurrentinnen bahnt sich eine Freundschaft an, bis sich herausstellt, dass Marie in Wahrheit ein Bursche (Sebastian Urzendowsky) ist.

In jeder Hinsicht ergiebiger ist „Eyes Wide Open“ (im Original: „Ejnaim Pekuchot“), eine israelisch-deutsche Koproduktion von Haim Tabakman. Aaron, ein Familienvater und Fleischhauer aus Jerusalem, verliebt sich in Ezri, einen schwulen Religionsschüler. Zwischen den toten Tieren leben sie im Kühlhaus ihre verbotene sexuelle Neigung aus, was auf Dauer freilich weder Aarons Frau noch den anderen Mitgliedern der jüdisch-orthodoxen Gemeinde verborgen bleibt, und schon bald steht die Existenz der ganzen Familie auf dem Spiel.

Jüdisches Filmfestival: von 12. bis 19.11. im Votiv und Metro – Infos unter www.jfw.at


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