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Will Ferrell: Blödelei als Weltumarmung

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 46/09 vom 11.11.2009

Die US-Vertriebskanäle Richtung Österreich bleiben eng, das Österreichische Filmmuseum springt ein: Einen Monat nachdem hier Kathryn Bigelows furioser Irak-Thriller „The Hurt Locker“ präsentiert wurde, gelangen zwei Extravaganzen zeitgenössischer lowbrow comedy zu ihrer verspäteten Kinopremiere.

„Anchorman: The Legend of Ron Burgundy“ (2004) und „Talladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby“ (2006) – Regie bei beiden: Adam McKay – sind zuvorderst Star-Vehikel für Regressionskomiker Will Ferrell, der in den Titelpartien seine Persona des egozentrischen, prolligen Mannskinds in neue Demenzdimensionen schraubt. Der erzchauvinistische 70er-Jahre-Nachrichtensprecher Ron Burgundy leitet den Namen seiner Heimatstadt San Diego schon einmal aus einem deutschen Begriff für „Walvagina“ ab, der erfolgsverwöhnte Nascar-Rennfahrer Ricky Bobby nimmt die Sponsorenfirmen in seine ausufernden Tischgebete auf.

Die locker gestrickte Form, in der beide Filme ihre archetypischen Geschichten von Straucheln und Besinnung eines All-American Einfaltspinsels ausbreiten, bietet nebenbei Raum für eine Reihe gleichberechtigt sensationeller Nebenrollenkreationen: von Steve Carells beschränktem, oral fixiertem Wettermann bis zu Sacha Baron Cohens schwulem französischem Rennfahrer mit Faible für Camus und Reptiliendressur. Das Spiel mit Klischees uramerikanischer Männerbündelei und Erfolgsobsession wie ihrer (europäischen oder feministischen) Gegensätze wirkt dabei in keine von beiden Richtungen denunzierend, sondern erstaunlich integrativ. Den weltumarmenden Gestus beider Filme besiegelt am Ende von „Talladega Nights“ einer der schönsten Kinoküsse der Nullerjahre.

Filmmuseum, Mo 20.30 + Mi 20.30 (OF)


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