Buch der Stunde

Lexikon | Daniela Strigl | aus FALTER 46/09 vom 11.11.2009

Robert Menasse hat ihn „meinen Rabbi der deutschen Sprache“ genannt. Das trifft einerseits die skeptische Wortgläubigkeit des Elazar Benyoëtz. „Der Sprachlose und der Sprachbesessene / sind an der Schwelle Gottes“, heißt es einmal. Andererseits hat der 1937 als Paul Koppel in Wiener Neustadt Geborene in Israel tatsächlich eine Rabbinerausbildung absolviert, ohne je ein Amt zu bekleiden. Seine Neigung zum freundlichen Dozieren, zum Klären und Aufklären scheint dazu zu passen und schließlich auch die edle Kunst des Aphorismus, die er zu der seinen gemacht hat.

Mit seinem neuen Buch legt Benyoëtz, der mit dem Hebräischen aufwuchs und sich das Deutsche erst spät eroberte, eine Zwischensumme seiner Dichterexistenz vor. „Ich kann mir eine Zeit denken, welcher unsere religiösen Begriffe so sonderbar vorkommen werden als der unsrigen der Rittergeist“, schrieb vor gut 200 Jahren sein Vorfahre Georg Christoph Lichtenberg. Diese Zeit lässt offensichtlich noch auf sich warten.


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