Vor 20 Jahren im Falter

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | aus FALTER 46/09 vom 11.11.2009

Teddy, dalkert

Eine philosophische Ausgabe. Reflexion satt. Helmut C. Mayer und Konrad Paul Liessmann interviewten den Germanisten Hans Mayer zum Fall der DDR, und dieser sprach: „Nichts ist widerlegt, ich bin immer noch Marxist.“ Er zeigte sich erfreut darüber, dass in der DDR nun Schriftsteller gehört wurden (Christa Wolf und Christoph Hein sprachen vor einer halben Million Menschen auf dem Berliner Alexanderplatz), und er äußerte Hoffnungen wie diese: „Alles muss getan werden, dass die DDR aus ihrer Misswirtschaft und aus ihrem Neostalinismus, ihrer nachwirkenden Breschnew-Doktrin befreit wird, dass sie wieder, diese hochbegabten und fleißigen Leute, etwas davon haben, dass sie so fleißig sind. Aber es muss gleichzeitig versucht werden, auf deutschem Boden eine gesellschaftliche Alternative zu präsentieren. Und ich glaube, dass das möglich ist.“

Es kam anders, wie wir wissen. Werner Vogt schrieb einen Beitrag zur Grünen-Debatte („die Hoffnung, sich als systemkritischer Grüner jemals in der Mehrheitsposition zu finden, ist also falsch“). Herbert Hrachovec befürchtete das Schlimmste von der Expo, die später per Volksbefragung verhindert wurde.

Den Vogel aber schoss Klaus Nüchtern ab, der Lotte Tobisch, damals Organisatorin des Opernballs, interviewte. Und zwar über Adorno, mit dem Tobisch befreundet gewesen war. Teddy war nicht nur ein Hirntier, er war auch „dalkert“. Er hätte den Opernball ohne weiteres besucht, sagte Tobisch. Denn: „Wenn er locker war, wenn er nicht druckreif war, hat er sich zum Klavier gesetzt und alte Schlager gespielt, die er an sich schrecklich fand. Aber er hat sie mit einer kindlichen Freude gespielt. Ich bin sicher, ich hätte ihn zum Opernball gebracht. Er hätte aus dem Opernball – und ich bin auch der Ansicht, dass man’s nicht tun soll – keine Ideologie gemacht, sondern er hätt’s als das gesehen, als was ich’s auch seh’: als eine Mischung aus Lipizzanern und Mozartkugeln, halt ganz gut verkaufbar und ein Ball, aus.“ AT


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige