Enthusiasmuskolumne

Diesmal: Die beste Band der Welt der Woche

Feuilleton | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 46/09 vom 11.11.2009

Portugiesische Hymnen aus Alaska

Die beste Band der Welt der Woche heißt Portugal. The Man. Der seltsame Name kommt daher, dass die Band sich einerseits Portugal nennen, andererseits aber auch klarmachen wollte, dass damit nicht der gleichnamige Staat gemeint ist. Wie auch immer, es ist ja nur ein Name. Jedenfalls habe ich ihr aktuelles Album „The Satanic Satanist“ bestimmt schon ein Dutzend Mal gehört.

Das ist in Anbetracht meiner momentanen Lebensumstände extrem viel. Aus erzieherischen Gründen besitze ich derzeit keinen CD-Player (mein Sohn würde ihn umgehend terminieren), und da ich auch keinen iPod habe, komme ich derzeit nur im Auto zum Musikhören – und ich fahre selten Auto. Aus all dem kann man schließen, dass ich seit Wochen, wenn Musik, dann ausschließlich „The Satanic Satanist“ höre. Und sie fährt immer noch!

Komischerweise sind es weder die Songs selbst (die sind gar nicht sooo toll) noch die Texte (die sind hier nicht so wichtig), die diese Platte für mich so unwiderstehlich machen. Es ist mehr der Geist, die Attitüde, der Sound. Es fängt schon damit an, dass die Band zwar aus Alaska kommt, sich zumindest in meinen Ohren aber sehr englisch anhört. Haben sich die Burschen etwa einen britischen Akzent zugelegt? Hübscher Gedanke.

Sehr lässig ist, wie Portugal. The Man alle möglichen Versatzstücke aus der Rockgeschichte neu zusammensetzen. Die Platte klingt nicht altmodisch, aber man hört, dass sie gern alte Platten hören; auch das psychedelische Cover-Artwork lässt darauf schließen. Da heult die Hammondorgel, dort jault die Schweinegitarre – na und? Nur keinen falschen Genierer.

Wichtig auch die effeminierten Stimmen: Die Herren bemühen gern den Falsettgesang. Die Songs haben Soul, sie haben Glam, sie haben etwas Hymnisches. Man kann sich gut vorstellen, wie ganze Stadien in den Refrain einstimmen. Das Beste daran ist: Portugal. The Man spielen keinen Stadionrock, sondern am 17. November im Wuk. Ich kann es kaum erwarten.


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