Lustig geht die Welt zu Ende: Roland Emmerichs apokalyptische Materialschlacht „2012“ im Kino

Feuilleton | aus FALTER 46/09 vom 11.11.2009

Rezension: Michael Omasta

In drei Jahren also ist’s so weit. 2012, das wussten angeblich schon die Maya, geht die Welt unter. So verwundert es nicht, dass indische Astrophysiker dieser Tage in einer 3000 Meter tiefen Kupfermine eine gar schreckliche Beobachtung machen: Der Erdkern hat sich erhitzt, die Temperatur steigt laufend weiter – und spätestens am 21. Dezember 2012 wird die gesamte Erdoberfläche nur mehr glühend heißer Gatsch sein.

John Cusack, immer gut, wo Not am Versager ist, ahnt von alldem nichts. „Lebwohl Atlantis“, sein einziger Roman, hat sich 442 Mal verkauft; seine Frau hat sich scheiden lassen, die Kinder rufen ihn beim Nachnamen, und er selbst arbeitet als Chauffeur eines russischen Oligarchen.

In dessen Limo fährt er mit den Kindern in den Yellowstone Park – was ihm nach zahlreichen Umwegen, brenzligen Situationen und haarsträubenden Wendungen schließlich das Leben gerettet haben wird.

Roland Emmerich, aus Deutschland stammender „Master of Disaster“ und Vorkämpfer für die Schwulenrechte in Hollywood, ist auf hirntote Geschäftsfilme dieser Art längst abonniert. Doch im Vergleich mit seinem Mel-Gibson-Vehikel „The Patriot“ oder dem erzreaktionären „Independence Day“ nimmt sich „2012“ aus wie ein Hohelied aufs demokratische Durchschnittstypentum.

Spielberg kann das besser, kein Zweifel, nur meint der seine Filme ja auch noch ernst. Nicht so Emmerich, bei dem Geschichte und Charaktere immer nur als Ballast für die Spezialeffekte dienen.

Zuerst verschwindet Los Angeles von der Landkarte. Dann stürzt in Rio de Janeiro die Christusstatue herab, ein Flugzeugträger zertrümmert das Weiße Haus. Zuletzt bröckelt die Decke der Sixtinischen Kapelle, und Gott kündigt Adam die Freundschaft auf. So lustig wie diesmal ging’s mit der Welt noch nie zu Ende!

Ab 13.11. in den Kinos (OF im Haydn)


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