Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 46/09 vom 11.11.2009

Wow, eine Kolumne wie ein Rilke-Herbstgedicht

Gleichzeitig, das kann ich nicht?“, sang damals der sprachbegabte Max Goldt mit seiner Band und verzweifelte schier an Parallelaktionen. Im Gegensatz zu Herrn Goldt kann Wien gleichzeitig ziemlich gut. Herrlich, der Moment, in dem sich die Saisonen überlagern und die Ereignisse überstürzen. So wie jetzt. Über die Straßen spannt sich bereits die Weihnachtsbeleuchtung und der Maronibrater legt noch ein Schäufelchen Kohle nach, während die, die nie genug kriegen können, in den Straßencafés besonders ausdauernder Wirte an bunten Kaltgetränken nuckeln, unter Wolldecken und Wärmelampen dem Sommer eine Träne nachweinen. Hüben glänzen schon Kinder- und Pensionistenaugen angesichts des Kärntner Nadelbaumwunders vorm Rathaus, drüben schleckt ein Nimmersatt noch schnell das letzte Eis, aber wirklich das letzte! Man sieht dick Vermummte mit Haube und Mantel (sehr vernünftig) und Kurzbehoste (ein Wahnsinn!) in stiller Eintracht nebeneinander stehen und auf den Bus warten. Haben Sie schon Kekse gebacken? Oder sommern Sie noch?


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