Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 46/09 vom 11.11.2009

Das Wesen der Zeit und wie trotzdem alles frisch bleibt

Kaum was, um nicht zu sagen: gar nichts ist langweiliger als ein Konflikt zwischen Generationen. Da möchte man sich ja noch lieber mit einem Fußballverein identifizieren als mit der Gruppe der zufällig gleich Alten. Ein wesentlicher Unterschied allerdings zwischen uns und den anderen besteht darin, dass man ab einem gewissen Alter Zeitabstände offensichtlich nicht mehr so richtig abschätzen kann. Man denkt, dass dieser Flugzeugabsturz in den Anden, wo sich Passagiere gegenseitig aufessen mussten, wir erinnern uns, mindestens zehn, wahrscheinlich aber 15 Jahre her ist. Es sind aber: 37. 15 Jahre hingegen ist es her, dass es dieses Lokal in der Stempfergasse (Oder Hans-Sachs-Gasse? Was spielt denn das jetzt noch für eine Rolle!) gab, wo man Cidre trank, mit Popcorn von einem buddhistischen Kellner bedient wurde, der einige Jahre vorher durch einen Bankraub und anschließendes Geldverteilen in der Herrengasse Berühmtheit erlangt hat. Die war aber sehr vergänglich, und wer sich daran noch erinnert, ist ohne Zweifel: alt. Das Mädchen am Jakominipl., das immer die Zitate liefert (und dafür Tschik kriegt), hat letztens zu ihrer Freundin gesagt, dass die für ihr Alter noch recht gut ausschaut, und die ist 22. Richtig alt aber sind Menschen wie meine Oma, die älter sind als die Erfindung des Kühlschranks durch Albert Einstein (1930, 12. November, danke dafür, so bleibt alles frisch).

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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