Phettbergs Predigtdienst

Der Mensch, der nur ein Ding hat

Kolumnen | aus FALTER 46/09 vom 11.11.2009

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Im Moment denk ich, die Gottheit ist die theoretische Gestalt des Sozialen. Als ich total erschöpft im Krankenhaus ankam, weinte ich und war mir sicher, ich könne nimmer zu Fuß heimgehen. Ich hatte den Mut, den diensthabenden Portier anzuweinen. Er telefonierte mit Hannes’ Frau, und eine halbe Stunde später kam die Gottin und brachte mich heim. Das eben ist der Name „Gott“, also „Gottheit“. So wurde das Riesenkunstwerk des Sozialen gebildet. Nun kannst du allen Personen gegenüber weinen und in Not sein und verlässlich darauf hoffen, dass dir geholfen wird.

Immer mehr werde ich zum „Lichtträger“ (Lucifer). Wir Genossen haben pro „Generation“ Gestalten – Erinnerungsfiguren, Spurenfiguren – hinterlassen, die sich dann mehr oder weniger deutlich einschrieben. Ich hatte nie und habe nicht den Plan, so eine Erinnerungsfigur abzugeben. Wie Genossin „Spinnerin am Kreuz“. Es gelang „uns“ nichts, alle spien uns aus. So werden wir immer wunderlicher.

Ich beginne jetzt, immer weniger fernzusehen. Kein Medium interessiert mich mehr wirklich. Einerseits kann ich die Medien nicht mehr handhaben, rein technisch. Andererseits geh ich meine Stunden. Gesprächslos. Und ich kann nur mehr das Einzige, das Gestionieren. McGoohan hält es noch aus mit mir. So hab ich nur mehr meinen Computer und das telefonische Gestionsprotokoll.

Wäre eigentlich eine lustige Nummer, das im Radio auszustrahlen. Wie McGoohan und ich miteinander reden. Einerseits meinerseits, wo ich Liter um Liter in den Hörer spucke, denn beim Reden rinnt mir „literweise“ Spucke aus. Und wenn irgendein unbekannter Geheimdienst uns abhörte, das wäre eine „Nummer“! Der Mensch, der nur ein Ding hat. Festgehalten in den Gestionsprotokollen, die immer sonderlicher wurden. Letzten Endes verstarb er an Lungenentzündung, weil er seine Leiber so nass spuckte, dass ihm eiskalt wurde und er sich die Lunge entzündete. Wenn ich am Computer sitze, rinnt mir auch ununterbrochen Spucke aus.

Weil „wir“ gerade „Allerseelen“ feierten ... Die armen Seelen, die die „heilige katholische Kirche“ ausspuckte und nicht als heilig annimmt. Was wollen denn „die“ wissen??? Ich bin de facto bei lebendigem Leib eine arme Seele.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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