Kritiken

Bernhard im Museum: „Frost“ als Monolog

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 47/09 vom 18.11.2009

Medizin und Wahnsinn, Kunst und Provinz: In Thomas Bernhards Debütroman „Frost“ von 1963 ist schon alles drin, was diesen Autor weltberühmt gemacht hat. Der Erzähler, ein Medizinstudent, wurde von einem Arzt mit einem ungewöhnlichen Auftrag in ein entlegenes Kaff entsandt: Er soll herausfinden, was aus dem dort lebenden Kunstmaler Strauch, dem Bruder des Arztes, geworden ist. Aus dem Bericht von einer Reise ins Herz der Finsternis hat Regisseurin Sabine Mitterecker gekonnt einen 80-minütigen Monolog destilliert, der im Eingangsbereich des Mumok zur Aufführung kommt. Die imponierende Leistung des grotesk überkostümierten Andreas Patton (weißer Mantel, Pelzkragen, Siegelring) wird dadurch getrübt, dass die Inszenierung nicht deutlich genug macht, wer genau da zu uns spricht: der Erzähler? Der Maler? Oder doch der Autor? Wenn Patton in den Weiten des Museums verschwindet und nur noch seine Stimme zu hören ist, wird aus dem Theaterabend ein Hörspiel. Dort wäre der Text vielleicht sowieso besser aufgehoben.

Mumok, letzte Vorstellungen Mo, Di 20.00


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