Kritik

Poesie, Politik und Biografie

Lexikon | aus FALTER 47/09 vom 18.11.2009

Dass er die Einseitigkeit politischer Kunst mit poetischen Mitteln zu überwinden versucht, macht der in Paris lebende algerischstämmige Kader Attia (*1970) schon im Titel seiner Ausstellung in der Galerie Krinzinger deutlich: „Po(l)etical“ steht da in leuchtenden Lettern geschrieben.

Aufgewachsen in einem typischen Vorort von Paris, liegt sein Schaffen im komplexen Verhältnis zwischen Ost und West begründet. Themen wie Immigration, Religion, Identität und Entwurzelung hat er in seinem Werk immer wieder aufgearbeitet.

Im Zentrum Attias aktueller Präsentation steht die Installation „Couscous Kaaba“: Der abgedunkelte Raum gleicht einem Stück Wüste, in dessen Mitte sich die kubische Form des muslimischen Heiligtums grafisch einschreibt. Vor dem biografischen Hintergrund des Künstlers liest sich diese fragile und flüchtig anmutende Arbeit als wunderbare symbolische Form der kulturellen Wiederaneignung. Auch das Video „Water Kaaba“ geht inhaltlich in diese Richtung: Kader Attia malt darin das Ziel der großen islamischen Pilgerreise mit Wasser an eine Wand, wo es dann trocknet und somit wieder verschwindet.

Wie sensibel sein Blick auf sein Umfeld ausfällt, bezeugen drei großformatige Fotografien in Leuchtkästen. Wie feinsinnig er es versteht, Vergänglichkeit und Verletzlichkeit zu inszenieren, zeigen die auf Sockeln stehenden leeren Plastiktüten. Poetischer könnte die Antwort auf das alltägliche Blinken der Warenwelt wohl kaum ausfallen. MJ

Galerie Krinzinger, bis 4.12.


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