TheaterKritik

Theatertheater: Cassavetes am Schauspielhaus

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 47/09 vom 18.11.2009

Eine alternde Bühnendiva probt an einem Stück, das von einer alternden Frau erzählt. Sie kann und will den Text in seiner Trostlosigkeit nicht akzeptieren, verweigert sich der Interpretation. „Opening Night“ ist großes Kino rund um eine schonungslos große Frauenrolle. Der US-amerikanische Filmdarsteller und Regisseur John Cassavetes hat in seinem 1977 präsentierten Film selbst Regie geführt und zugleich auch vor der Kamera die Rolle des Regisseurs übernommen. Die Hauptdarstellerin gab seine Frau Gena Rowlands. Cassavetes unterstrich so noch einmal die Doppelbödigkeit dieses Dramas. Am Grazer Schauspielhaus kommt der Stoff unter der Leitung von Cornelia Crombholz tatsächlich auf die Bühne – womit sich die Katze irgendwie in den Schwanz beißt. Denn am Theater stehen Realität und Illusion dann doch in einem ganz anderen Verhältnis zueinander als im Kino. Dem begegnet Crombholz mit einer geradezu perfektionistischen Inszenierung samt Livemusik. Natascha von Steiger hat eine Art Hinterbühne auf die Drehbühne gesetzt, die sich wie eine gut geölte Metapher im Kreis bewegt. Hier dreht sich das Theater um sich selbst. Das vor allem komödientaugliche Spiel mit der Bühne auf der Bühne reißt zudem eine neue Ebene auf: den vermeintlichen Blick durchs Schlüsselloch. Ist es nicht hinreißend, wie Götz Argus den Regisseur karikiert? Und wie alt ist eigentlich Steffi Krautz? Das Glück dieser Inszenierung ist, dass Krautz eben kein Star ist, sondern „nur“ eine wirklich gute Künstlerin. Und ihr Gegenüber Jan Thümer ein bemerkenswerter Hauptdarsteller, der selbst in der Rolle eines schlechten Nebendarstellers überzeigt. Großes Kino? Nein. Aber ein schönes Theater.

Grazer Schauspielhaus, Sa, Mi, Do 19.30


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