Tiere

Wutprobe

Lexikon | aus FALTER 47/09 vom 18.11.2009

„Mir ekelt vor diesem tintenklecksenden Säkulum“

Friedrich Schiller, „Die Räuber“

In Linz hatte letzte Woche eine tobende Frau Regalbretter aus dem Fenster ihrer Wohnung auf die Straße geworfen und musste von der Polizei, ähh, ruhiggestellt werden. Über den Grund für ihren Tobsuchtsanfall ist nichts bekannt, falls sie aber über der Bauanleitung für ein Ikea-Möbel zusammengebrochen und ausgerastet ist, wäre ihre Gefühlsaufwallung sicherlich nachvollziehbar.

Die Zeit vor Weihnachten ist auch die Zeit für große Gefühle, und gerne geht diese Kolumne, der nichts Tierisches unmenschlich vorkommt, der Frage nach, wie zeitgemäß Tobsucht heute noch ist. Der deutsche Schriftsteller und Nervenarzt Oskar Panizza weist uns in seiner „Psichopathia criminalis“ den Weg: „Es ist die stille Wut, das geheime, ruhige Konspirieren, das innere freche Denken, was diese (tobenden) Leute auszeichnet; es ist die mania anti-gouvernementalis. Man versuche nur einmal, den Lebens- oder Bildungsgang


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