Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 47/09 vom 18.11.2009

Es ist 8.50 Uhr, ich fühle mich müde, matt, streichfähig und muss an Bier denken. Ich will eigentlich nicht an Bier denken. Nicht, weil es mich zu früh (kein Bier vor vier!) danach gelüstete – keine Rede! Ich habe nur andere Sorgen, als mir zu überlegen, wie viel Bier ich woher in gekühlter Form morgen, Dienstag, in die Redaktion kriege. Ich werde dann einen Preis verliehen bekommen haben, und die Kollegenschaft urgiert Bewirtung, gehört sich ja auch. Wie leicht haben es da die Sekt-Menschen! Am Freitag hat sich Riqua Kicher nach 18 Jahren von ihrem Arbeitsplatz in der Anzeigenabteilung verabschiedet und zu diesem Behufe ein paar Flaschen Sekt in den Kühlschrank getan. Bei ihr passt das, aber ich bin Bier und kann niemandem mit Sekt kommen.

In der Redaktion fehlt es wirklich an fast allem! Gerade mal, dass ein paar Computer und Kaffeemaschinen rumstehen, ansonsten: niente. Keine Kantine, keine Schnapsbar, kein Firmenfriseur, kein Betriebskindergarten, nicht einmal einer dieser lausigen Beertender, wie sie mittlerweile in jedem Hobbykeller zwischen der Elektroeisenbahn und der Sexschaukel (beides verstaubt) stehen. Also ich kauf den sicher nicht! Zum Glück ist ansonsten alles im grünen Bereich. Sigrid Löffler liefert anstandslos Ersatz für eine ausgefallene Rezension, Sebastian Fasthuber mailt im Zweistundentakt ein upgedatetes Abgabeprotokoll für seine gefühlten 14 Beiträge, und Jan Tabor betätigt die Gerade-entgleist-mein-Zug-Geräuschtaste seines Spezialhandys, sobald man sich nach dem Verbleib des Textes erkundigt. Ich muss an Bier denken.


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